↬ wirres.net: schulz und böhmermann s01e04

Die vorerst letzte der vier Folgen Schulz und Böhmermann ist am Sonntag gelaufen und Felix Schwenzel hat nichts auszusetzen:

die moderatoren hatten in dieser sendung ausnahmsweise keine angst etwas falsch zu machen. das ist deshalb bemerkenswert, weil böhmermann in der zweiten sendung absichtlich und platt versuchte die grenzen des guten geschmacks zu überscheiten und zu provozieren — und dann in der dritten sendung vor samuel koch den schwanz einzog, aus angst etwas falsches zu sagen oder grenzen des guten geschmacks oder humors zu überschreiten.

Die vierte Folge war routiniert und wirklich gute Unterhaltung. Allerdings fand ich das Gelaber über den geplanten Tod von Sophie Hunger öde: Als junger Mensch etwas davon herzureden, dass man schon genau wisse, wie man sterben will, macht auf mich immer den Eindruck, als wolle man sich als total tiefsinnig und abgeklärt präsentieren. Aber ansonsten scheint Sophie Hunger ja ziemlich cool zu sein, Felix hat heute gleich Links zur Verfügung gestellt, um direkt Fan zu werden. Muss ich mir mal anschauen. Die vierte Folge fand ich aber höchstens am zweitbesten, die beste war für mich die zweite. (Die übrigens als erstes gedreht wurde, also eigentlich die erste war.)

Felix hatte sich über die zweite Folge ziemlich aufgeregt und damals wollte ich auch schon was dazu schreiben, aber ich war dann zu faul und jetzt passt es besser rein, weil man dann eine schöne Gesamtbetrachtung machen kann. Er schrieb „damals“:

ich mag es eigentlich ganz gerne, wenn sendungen eskalieren und aus der kontrolle geraten. aber wenn die eskalation von den moderatoren ausgeht, die zappeln, schreien, schimpfen oder drohen lebende goldfische zu pürieren und sich weder das publikum, noch die gäste mitreissen lassen, dann wirkt das gewollt und öde. in dieser sendung hat sich jan böhmermann bemüht, seine provokationen auf dem niveau des sendungsthemas (kindergeburtstag) zu halten. das war sehr schade und sehr flach.

Die zweite Folge war albern und laut (vor allem, weil Böhmermann neben Katrin Göring-Eckart herumgeschrien hat), das stimmt. Aber auf mich wirkte das Gespräch wie ein gemütlicher Abend mit Freunden, die sich schon eine Weile kennen: Nach dem Abendessen sitzt man noch zusammen und trinkt einen Wein nach dem anderen. Da echauffiert sich einer halb ernst, halb künstlich sehr laut über ein Thema und die Angeschriene schmunzelt vor sich hin, denn man kennt sich ja. Da fällt jemand vom Stuhl und ja, es ist kindisch, aber eben in dem Moment zum Schreien komisch. Ich hatte nie das Gefühl, dass die Gäste sich von dem ganzen Quatsch ausgeschlossen fühlten, sondern das gerne mitgemacht haben. Und ich fühlte mich, als säße ich mit am Tisch. Richtig gute Unterhaltung.

Das waren, finde ich, die besten Momente bei Schulz und Böhmermann: Wenn die Moderatoren offensichtlich Spaß haben und die Gäste dabei mitmachen, nicht weil sie drum gebeten werden, sondern weil sie sich wohl fühlen. Da können auch die Witze flach sein. Und diese Intimität auf einer Bühne vor Kameras zu erzeugen, finde ich beeindruckend.

Das Ganze kann aber auch kippen, wie man in der dritten Sendung gemerkt hat, wo beide Moderatoren vor allem bei Samuel Koch total und beim Langen Tünn fast-total versagt haben und Katrin Bauerfeind Herrn Koch das dann auch noch in die Schuhe schieben wollte (Nach dem Motto: „Mach doch auch mal nen Witz“). Das sind eben die Gefahren, wenn die Moderation sich in erster Linie um sich selbst kümmert. Das zog sich störend durch alle Folgen: Wenn Antworten der Gäste nur als Vorlage für den nächstbesten Gag dienen und nicht wirklich zugehört wird. Ich habe das Gefühl, Olli und Jan haben Schwierigkeiten, nicht in ihr Sanft & Sorgfältig-Geplapper abzugleiten und alles um sich herum zu vergessen. Die beiden haben eine gute Dynamik, aber sie müssen eben immer wieder aufpassen, dass sie die Gäste nicht hinter sich lassen.

Nach vier Folgen finde ich war ein schöner Mix aus schlechten, mittelguten und super Folgen dabei und ich hätte gerne mehr davon. Vor allem, dass die Sendung in jeder Folge zwischen total albernen und sehr interessanten Gesprächen changiert, sorgt im besten Fall für dieses „Ein schöner Abend mit alten, sehr interessanten Bekannten“-Gefühl.

Ich bin sicher, dass Schulz & Böhmermann genauso gut altern wird wie Roche & Böhmermann, die man sich (zumindest teilweise) immer noch super auf YouTube anschauen kann, ohne sich zu langweilen. Das ist eine ziemliche Leistung und würde ich von keiner anderen Talkshow behaupten.